Polarlichter sehen und fotografieren: Richtung, Uhrzeit & Handy-Tipps
Mit diesen Tipps holen Sie das Beste aus einer Polarlicht-Nacht in Deutschland heraus, mit bloßem Auge und mit dem Handy.
1. Die richtige Himmelsrichtung: Norden
Polarlichter entstehen in einem Ring um den magnetischen Nordpol. Von Deutschland aus sehen wir diesen Ring, das Polarlichtoval, nur am nördlichen Horizont. Bei schwacher Aktivität ist das ein flacher Bogen oder Schimmer knapp über dem Horizont. Erst bei sehr starken Stürmen (Kp 8–9) reichen die Strahlen bis über den Kopf, und es kann sogar im Süden leuchten.
Den Norden finden Sie mit dem Kompass im Smartphone oder am Himmel: Verlängern Sie die beiden hinteren Sterne des Großen Wagens etwa fünfmal, dann treffen Sie auf den Polarstern. Darunter liegt Norden.
2. Die richtige Uhrzeit
Es muss richtig dunkel sein. Das ist etwa 1 bis 1,5 Stunden nach Sonnenuntergang der Fall. Statistisch am besten ist die Zeit zwischen 22 und 2 Uhr. Bei einem Sonnensturm hängt viel davon ab, wann die Störung ankommt. Behalten Sie deshalb die Live-Werte im Blick: Fällt Bz deutlich ins Negative und steigt der Kp-Wert, lohnt es sich, sofort rauszugehen. Polarlichter kommen oft in Schüben von 15 bis 30 Minuten, dazwischen wird es ruhiger.
3. Der richtige Ort
- Dunkel: Raus aus der Stadt. Schon 15 bis 20 Kilometer machen einen großen Unterschied.
- Freier Nordhorizont: keine Häuser, Bäume oder Berge im Norden. Ideal sind Küsten, Seeufer, Felder und Anhöhen.
- Sternenparks: In Deutschland gibt es mehrere Schutzgebiete für den Nachthimmel, etwa in der Rhön, im Westhavelland, in der Eifel und auf der Winklmoos-Alm.
- Mond beachten: Ein heller Vollmond überstrahlt schwache Polarlichter. Ein Ort, an dem der Mond hinter Ihnen steht, hilft.
4. Polarlichter mit dem Handy fotografieren
- Nachtmodus einschalten (iPhone: automatisch, mit Stativ bis 30 s; Android: „Nacht“ oder „Nachtsicht“).
- Handy abstützen, auf einem Zaunpfahl, Autodach oder einem kleinen Stativ. Ruhe ist wichtiger als jede Einstellung.
- Im Pro-Modus: Belichtung 3 bis 10 Sekunden, ISO 800 bis 3200, Fokus manuell auf unendlich.
- Blitz aus, Bildschirmhelligkeit herunter, damit Ihre Augen dunkeladaptiert bleiben.
- Einfach Richtung Norden fotografieren, auch wenn Sie nichts sehen. Oft zeigt erst das Foto das Polarlicht.
5. Mit der Kamera
Weitwinkelobjektiv mit großer Blende (f/1.8 bis f/2.8), Stativ, ISO 1600 bis 3200, Belichtungszeit 5 bis 15 Sekunden (bei schnellen Bewegungen kürzer), manueller Fokus auf einen hellen Stern, Weißabgleich etwa 3500 bis 4000 Kelvin, im RAW-Format fotografieren. Ein Vordergrund wie ein Baum, ein Leuchtturm oder ein See macht das Bild lebendig.
Warum sieht das Foto bunter aus als der Himmel?
Unsere Augen haben zwei Arten von Sinneszellen: Zapfen für Farben und Stäbchen für schwaches Licht. Nachts arbeiten fast nur die Stäbchen, und die sehen keine Farben. Schwache Polarlichter wirken deshalb wie graue Wolken oder ein heller Schleier. Die Kamera sammelt dagegen über Sekunden Licht und zeigt die echten Farben: Grün vom Sauerstoff in 100 bis 200 km Höhe, Rot vom Sauerstoff in 200 bis 400 km Höhe und Violett vom Stickstoff.
Checkliste für die Polarlicht-Nacht
- Kp-Prognose und Wolken prüfen, auf dieser Seite für Ihr Bundesland oder Ihre Stadt
- Warme Kleidung, Mütze und Handschuhe. Auch im Herbst wird es nachts schnell kalt.
- Powerbank, da Kälte den Akku leert
- Rotlicht-Taschenlampe, die die Dunkeladaption nicht zerstört
- Geduld: mindestens 30 bis 60 Minuten einplanen